Fliegergedicht
Jun 1926 - Robert Werner Schulte

Wir träumen den uralten, seltsamen Traum:
mit Flügeln am Arm in unendlichem Raum…
die Sehnsucht ist groß, und wir möchten so gern
zur Sonne so weit, zu den Sternen so fern.

Wir wachsen durch Kampf mit Sturm und Braus
von selbst über Kleinmut und Schwächen hinaus
und trinken in Herzen, berauscht und gebannt,
das himmlische Licht über irdischem Land.

Wir sind unseres Schicksals Schmied,
wir singen ein leuchtendes trutziges Lied;
wir fühlen beglückt über Wolken und Höh’n:
das Leben, es glüht, sollt' die Welt auch vergehn!

Wir treiben kein leichtes, vermessenes Spiel,
wir haben ein stolzes, ein köstliches Ziel:
wir weisen den Weg aus Taumel und Tanz
in einsamen, ewigen, silbernen Glanz!